Bildung: Studium

Ein Studium in Niedersachsen muss mehr sein als der bloße Erwerb eines Abschlusses. Es ist eine Investition in die Zukunft unseres Landes, in Innovation, Wohlstand und gesellschaftlichen Fortschritt. Unsere Hochschulen sind Orte der Forschung, der kritischen Auseinandersetzung und der persönlichen Entwicklung – sie prägen die Fachkräfte und Führungspersönlichkeiten von morgen. Doch während andere Regionen massiv in ihre Hochschulsysteme investieren, droht Niedersachsen im nationalen und internationalen Wettbewerb zurückzufallen.

Aktuell liegt Niedersachsen Mittelfeld, wenn man die Ausgaben der Hochschulen pro Kopf ausrechnet. Wenn wir erstklassige Hochschulen in Niedersachsen haben möchten, müssen wir auch dementsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Gerade in Zeiten, in denen die Inflation jegliche Kosten steigen lässt, muss die Finanzierung der Hochschulen entsprechend angepasst werden. Fehlende finanzielle Mittel würden zwangsläufig Auswirkungen auf die Anzahl der Angestellten, die Forschung betreiben und auf die Betreuungsrelationen haben sowie die Qualität von Lehre und Forschung gefährden. Gleichzeitig sind die Studierendenwerke, die das soziale Fundament des Hochschulsystems bilden, seit Jahrzehnten chronisch unterfinanziert. Die Folge: Steigende Sozialbeiträge belasten Studierende zunehmend, bezahlbarer Wohnraum wird knapper, und psychosoziale Beratungsangebote reichen nicht aus.

Wir setzen auf eine zukunftsgerichtete Hochschulpolitik, die Exzellenz in Forschung und Lehre mit sozialer Durchlässigkeit verbindet. Bildung darf nicht am Geldbeutel scheitern – weder für deutsche noch für internationale Studierende. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass unsere Hochschulen die Ressourcen erhalten, die sie für ihre Aufgaben benötigen. Kluge Investitionen in Hochschulen und Studierendenwerke zahlen sich mehrfach aus: durch bessere Bildung, mehr Innovation und eine gerechtere Gesellschaft.

Verlässliche Finanzierung statt kurzfristiger Sparmaßnahmen

Gleichzeitig dürfen wir nicht die Augen davor verschließen, dass auch internationale Studierende erhebliche Kosten verursachen, während andere Länder längst differenzierte Finanzierungsmodelle entwickelt haben. Ein maßvoller und sozial ausgewogener Beitrag internationaler Studierender aus Drittstaaten kann helfen, zusätzliche Mittel für Betreuung und Infrastruktur zu generieren – ohne dass Talente abgeschreckt werden. Entscheidend ist dabei, dass wir Anreize schaffen, diese hochqualifizierten Menschen nach ihrem Abschluss in Deutschland zu halten.

Unsere Pläne:

  • Mehr Investitionen in Hochschulen: Niedersachsen muss die Hochschulen mit finanziellen Möglichkeiten ausstatten, die hervorragende Forschung ermöglicht. Wir setzen uns für eine grundsätzliche Erhöhung der staatlichen Zuschüsse und eine jährliche Anpassung ein, die mindestens die Inflation und steigende Tarifkosten ausgleicht.
  • Planungssicherheit bei der Hochschulvereinbarung: Beim Aushandeln der neuen Hochschulvereinbarung muss den Hochschulen Planungssicherheit gegeben werden. Diese muss realistische Steigerungsraten enthalten und muss trotz kurzfristige Haushaltskrisen unantastbar bleiben. Es darf nicht an der Bildung gespart werden.
  • Verbesserung der Betreuungsrelationen: Mit gezielten Programmen wollen wir die Zahl der Dauerstellen im wissenschaftlichen Mittelbau erhöhen und die Betreuungsrelation von Studierenden zu Lehrenden systematisch verbessern. Unser Ziel ist es, [NRW vom Schlusslicht zum Mittelfeld] zu führen.
  • Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer mit fairem Rückerstattungsmodell: Wir führen maßvolle Studiengebühren von 1.000 Euro pro Semester für Studierende aus Drittstaaten ein. Davon verbleiben 300 Euro direkt an den Hochschulen zur Verbesserung der Betreuung internationaler Studierender. Die Gebühren werden vollständig erlassen für: Stipendiat*innen, Geflüchtete, Studierende aus Entwicklungsländern sowie alle, die nach dem Studium mindestens drei Jahre sozialversicherungspflichtig in Deutschland arbeiten (Rückerstattung durch das Land).
  • Großzügiges Stipendienprogramm für internationale Talente: Wir richten ein Landesprogramm ein, das mindestens 20 Prozent aller internationalen Studierenden aus Drittstaaten von Gebühren befreit. Die Vergabe erfolgt nach Bedürftigkeit und Leistung, um sicherzustellen, dass Talente nicht durch finanzielle Hürden abgeschreckt werden.
  • Schutz für politisch verfolgte Studierende: Wir richten eine Landesstiftung ein, die jungen Menschen, denen in ihrer Heimat eine akademische Laufbahn aus politischen Gründen verwehrt bleibt, ein vollständiges Stipendium für ein Studium in Niedersachsen ermöglicht. Dies ist ein Bekenntnis zu Freiheit und Menschenrechten.

Moderne Studieninhalte, flexibel wählbar

Die Arbeitswelt verändert sich rasanter denn je. Künstliche Intelligenz, Klimawandel, demografische Umbrüche – die Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, verlangen nach neuen Kompetenzen und interdisziplinären Denkweisen. Doch viele Studiengänge hinken dieser Entwicklung hinterher. Curricula sind oft starr, überfrachtetet mit Pflichtveranstaltungen und lassen wenig Raum für individuelle Schwerpunktsetzungen. Studierende verbringen Semester um Semester in Veranstaltungen, deren Relevanz für ihre späteren Berufe fraglich ist, während gleichzeitig wichtige Zukunftsthemen zu kurz kommen. Die Möglichkeit, von den Stärken anderer Hochschulen zu profitieren oder fächerübergreifend zu lernen, ist oft kompliziert oder gar nicht vorgesehen.

Wir wollen Hochschulen die Freiheit geben, ihre Studienangebote kontinuierlich zu modernisieren und Studierenden mehr Wahlmöglichkeiten einräumen. Studierende sollen nicht in engen fachlichen Korridoren gefangen sein, sondern gezielt Schwerpunkte setzen und auch hochschulübergreifend lernen können. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass Studiengänge regelmäßig auf ihre Praxistauglichkeit überprüft und an aktuelle Anforderungen angepasst werden. Wer heute studiert, braucht nicht nur Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, sich in einer sich wandelnden Welt zurechtzufinden – durch interdisziplinäres Denken, digitale Kompetenzen und die Freiheit, das eigene Studium mitzugestalten.

Unsere Pläne:

  • Modernisierung der Studienstrukturen: Wir wollen Hochschulen mehr Freiheit geben, flexible Studienmodelle zu entwickeln – von Teilzeitstudiengängen über berufsbegleitende Angebote bis hin zu grenzüberschreitenden Kooperationen mit niederländischen Hochschulen. Die digitalen Erfahrungen der Pandemie sollen dauerhaft in die Lehre integriert werden.
  • Flexible Studiengestaltung durch Baukastenprinzip: Wir ermöglichen den niedersächsischen Hochschulen, Studierenden im begrenzten Umfang zu erlauben digitale Studienleistungen an anderen niedersächsischen Hochschulen zu absolvieren und auf ihr Studium anrechnen zu lassen. Dieses Baukastenprinzip erhöht die Wahlfreiheit und fördert die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen.
  • Modernisierung ausgewählter Studiengänge: Wir überprüfen systematisch die Curricula einzelner Studiengänge wie Jura oder Lehramt auf ihre Praxistauglichkeit und passen sie gemeinsam mit den Hochschulen an aktuelle Anforderungen an.
  • Ausbau von Teilzeitstudiengängen: Wir verpflichten Hochschulen, in jedem Fachbereich mindestens ein Teilzeitstudienmodell anzubieten. Damit ermöglichen wir Menschen mit Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen oder Erwerbstätigkeit den Zugang zur akademischen Bildung.
  • Förderung berufsbegleitender Studiengänge: Wir unterstützen den Aufbau berufsbegleitender Bachelor- und Masterstudiengänge, insbesondere in Bereichen mit Fachkräftemangel wie Pflege, Erziehung und IT. Hochschulen erhalten Anreize, flexible Präsenz- und Online-Formate zu kombinieren.
  • Erleichterung des Übergangs von Beruf zu Studium: Wir etablieren „Sommerkollegs“ und Brückenkurse, die Menschen mit Berufsausbildung den Einstieg ins Studium erleichtern. Die Anerkennung beruflich erworbener Kompetenzen auf das Studium bauen wir systematisch aus.
  • Verbesserung der Anerkennungspraxis: Wir treten in den Austausch mit den Hochschulen, um die Anerkennungspraxis für Studienleistungen zwischen NRW-Hochschulen zu vereinheitlichen und fördern transparente, studierendenfreundliche Anerkennungsverfahren.

Ein starkes soziales Fundament für alle Studierenden

Die Studierendenwerke sind das Rückgrat der sozialen Infrastruktur an unseren Hochschulen. Sie sorgen für bezahlbare Mensen, günstigen Wohnraum, Kinderbetreuung und psychosoziale Beratung. Doch seit Jahrzehnten werden sie von der Landesregierung stiefmütterlich behandelt: Der allgemeine Zuschuss des Landes ist inflationsbereinigt um über 25 Prozent gesunken, während gleichzeitig 30 Prozent mehr Studierende zu versorgen sind. Die Folge: Studierende zahlen heute mehr als doppelt so viel Sozialbeitrag wie 1994 – faktisch eine Studiengebühr durch die Hintertür.

Diese Entwicklung ist inakzeptabel. Wer es ernst meint mit Chancengerechtigkeit und sozialer Durchlässigkeit, muss in die Studierendenwerke investieren. Günstige Mensen, bezahlbare Wohnheimplätze und professionelle Beratungsangebote sind keine Luxusgüter, sondern notwendige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium. Gerade Studierende aus einkommensschwachen Familien, Erstakademiker*innen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind auf diese Angebote angewiesen. Eine auskömmliche Finanzierung der Studierendenwerke ist daher eine Investition in Bildungsgerechtigkeit.

Unsere Pläne:

  • Erhöhung des Landeszuschusses für Studierendenwerke: Wir erhöhen den allgemeinen Zuschuss an die Studierendenwerke schrittweise, um den Kaufkraftverlust der letzten Jahrzehnte auszugleichen und ermöglichen eine Senkung der Sozialbeiträge um 20 Euro pro Semester.
  • Jährliche Dynamisierung der Zuschüsse: Ab 2026 wird der Zuschuss jährlich an die Inflationsrate gekoppelt, um künftige Kaufkraftverluste zu verhindern. Die Studierendenwerke erhalten damit endlich Planungssicherheit für langfristige Investitionen.
  • Ausbau bezahlbarer Studierendenwohnheime: Wir verdoppeln die Landesmittel für Neubau und Sanierung von Studierendenwohnheimen, um einen Ausbau der Studierendenwohnheime bis 2030 zu ermöglichen und die Quote der in Wohnheimen lebenden Studierenden zu steigern. Des Weiteren sollen Studierende nicht nach Ende der Regelstudienzeit aus dem Studierendenwohnheim gekündigt werden, solange nachweislich weiter Studienleistungen erbracht werden.
  • Stärkung der psychosozialen Beratung: Wir stocken die Mittel für psychologische Beratungsangebote an Hochschulen und Studierendenwerken auf. Die psychische Belastung von Studierenden hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen – dem müssen wir mit professionellen Angeboten begegnen.
  • Beseitigung psychologischer Studienhürden: Neben finanziellen Barrieren müssen auch psychologische Hürden beim Studieneinstieg abgebaut werden. Wir stärken Beratungsangebote und Mentoring-Programme, die Studieninteressierte aus nicht-akademischen Haushalten gezielt unterstützen.
  • Günstige Hochschulgastronomie erhalten: Die Mensen und Cafeterien der Studierendenwerke müssen bezahlbar bleiben. Wir unterstützen Investitionen in nachhaltige, regionale und klimafreundliche Verpflegungsangebote, damit gesundes Essen für alle Studierenden erschwinglich bleibt.
  • Kinderbetreuung für studierende Eltern ausbauen: Wir fördern den Ausbau von Kita-Plätzen für Kinder studierender Eltern und flexible Betreuungsangebote, die sich an die besonderen Zeitstrukturen des Studiums anpassen. Studieren mit Kind darf nicht zur unüberwindbaren Hürde werden.
  • Ausbau der Beratungsangebote: Wir stärken die Sozialberatung der Studierendenwerke in den Bereichen Studienfinanzierung, Wohnen, Vereinbarkeit von Familie und Studium sowie Studieren mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Gerade in finanziell schwierigen Zeiten braucht es niedrigschwellige Hilfsangebote.
  • Digitalisierung der BAföG-Verwaltung: Wir treiben die vollständige Digitalisierung der BAföG-Beantragung und -Bearbeitung voran und stellen den Studierendenwerken zusätzliche Mittel für die Verwaltungskosten zur Verfügung. BAföG muss einfacher und schneller zugänglich werden.

Faire Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft

Gute Forschung und Lehre entstehen nur dort, wo auch gute Arbeitsbedingungen herrschen. Die Realität an vielen Hochschulen sieht jedoch anders aus: Befristungsketten, prekäre Beschäftigung und Unsicherheit prägen die Karrieren vieler Wissenschaftler*innen. Promovierte arbeiten oft jahrelang von Vertrag zu Vertrag, ohne Perspektive auf eine Dauerstelle. Studentische Hilfskräfte verrichten wichtige Aufgaben für die Hochschulen, werden aber häufig nicht angemessen entlohnt und haben keine Vertretung. Diese Zustände sind unwürdig und verschrecken talentierte Menschen, die eine akademische Laufbahn einschlagen könnten.

Wir setzen auf das Prinzip „Daueraufgaben brauchen Dauerstellen“. Wer dauerhaft für die Hochschule arbeitet, verdient einen dauerhaften Arbeitsvertrag. Gleichzeitig müssen Qualifizierungsphasen realistisch bemessen und fair vergütet werden. Eine moderne Hochschule braucht zudem vielfältige Karrierewege jenseits der Professur – mit verlässlichen Perspektiven für den wissenschaftlichen Mittelbau.

Unsere Pläne:

  • Dauerstellen für Daueraufgaben: Hochschulen müssen systematisch unbefristete Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau aufbauen. Wer dauerhaft Aufgaben in Lehre, Forschung oder Verwaltung übernimmt, soll nicht in Befristungsschleifen gefangen bleiben.
  • Karrierewege unterhalb der Professur ausbauen: Wir schaffen neue, dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeiten für promoviertes wissenschaftliches Personal unterhalb der Professur. Nicht jede will oder kann Professor_in werden – alternative Karrierewege müssen attraktiv und verlässlich sein.
  • Realistische Vertragslaufzeiten für Promovierende: Promotionsverträge müssen sich an der tatsächlich zu erwartenden Dauer der Promotion orientieren. Wer Vollzeit arbeitet, muss auch Vollzeit bezahlt werden – keine Teilzeitverträge für Vollzeitarbeit mehr.
  • Planbare Qualifikationsverläufe: Anstellungen müssen die volle Dauer von Promotions- und Habilitationsphasen abdecken. Wissenschaftler_innen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Qualifizierung, ohne sich ständig um Anschlussfinanzierungen sorgen zu müssen.
  • Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte: Studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte leisten unverzichtbare Arbeit an Hochschulen. Sie verdienen einen eigenen Tarifvertrag, der faire Bezahlung und verlässliche Standards garantiert. Diesen wollen wir innerhalb der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) schaffen.
  • Geschlechtergerechte Wissenschaft: Wir unterstützen wissenschaftliche Karrieren von Frauen durch Mentoring- und Stipendienprogramme für Promotionen und Habilitationen. Besetzungskommissionen sollen quotiert besetzt werden, um strukturelle Benachteiligungen abzubauen.

Weitere Themenprogramme:

  • Bildung: Schule

    Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben – und damit Ausdruck von Freiheit. Doch die Realität an unseren Schulen in Niedersachsen sieht oft anders aus: überfüllte Klassen, marode Gebäude, überarbeitete Lehrkräfte und ein System, das viel zu oft an den Bedürfnissen der Kinder vorbeigeht. Kindern die größtmöglichen Chancen zu eröffnen, ist eines der wichtigsten…

  • Bildung: Studium

    Ein Studium in Niedersachsen muss mehr sein als der bloße Erwerb eines Abschlusses. Es ist eine Investition in die Zukunft unseres Landes, in Innovation, Wohlstand und gesellschaftlichen Fortschritt. Unsere Hochschulen sind Orte der Forschung, der kritischen Auseinandersetzung und der persönlichen Entwicklung – sie prägen die Fachkräfte und Führungspersönlichkeiten von morgen. Doch während andere Regionen massiv…

  • Energie

    Während andere Regionen die Energiewende als Chance für Wohlstand und Unabhängigkeit begreifen, bremsen wir uns selbst aus – mit zu langsamen Genehmigungen, zu wenig Personal und zu viel Zögern. Dabei haben wir alles, was es braucht: Flächen für Wind und Sonne, innovative Unternehmen und eine Industrielandschaft, die bereit ist für den Wandel. Die Frage ist…