In der Frühkindlichen Bildung werden die Grundsteine für ein erfolgreiches, erfüllendes Leben gelegt. Trotzdem ist sie bei uns in Niedersachsen keine Priorität. In Schweden oder Norwegen belaufen sich die Ausgaben in diesem Bereich auf fast 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – Deutschland investiert nur etwa 1,1 Prozent.
Jedes Kind in Niedersachsen muss Zugang zu hochwertiger Betreuung und Förderung erhalten – unabhängig vom Wohnort oder Einkommen der Eltern. Das erfordert erhebliche zusätzliche Mittel. Diese Investition ist notwendig, realistisch und sozial gerecht. Sie ist notwendig, weil unsere Kinder das verdienen und unsere Gesellschaft darauf angewiesen ist. Sie ist realistisch, weil andere Länder zeigen, dass höhere Bildungsinvestitionen möglich sind und sich volkswirtschaftlich lohnen – durch höhere Erwerbsbeteiligung der Eltern, bessere Bildungsergebnisse der Kinder und geringere Folgekosten. Und sie ist sozial gerecht, weil gerade Kinder aus einkommensschwachen Familien am stärksten von hochwertiger frühkindlicher Bildung profitieren.
Unser Ansatz verbindet deshalb Beitragsfreiheit mit Qualitätsverbesserung: Wir schaffen echte Kostenfreiheit von der Krippe bis zur Einschulung, investieren massiv in Personal und kleinere Gruppen, bauen das Betreuungsangebot bedarfsgerecht aus und stellen sicher, dass frühkindliche Bildung ihrem Namen gerecht wird. Wir wissen, dass diese Transformation Zeit braucht. Personalgewinnung, Ausbildungskapazitäten und Platzausbau lassen sich nicht über Nacht realisieren. Aber genau deshalb müssen wir jetzt beginnen – mit einem klaren Plan, verlässlicher Finanzierung und dem politischen Willen, Niedersachsen zu einem Vorreiter in der frühkindlichen Bildung zu machen.
Kostenfreie Kita: Verlässlich und überall verfügbar
Das allgemeine Recht auf Bildung erstreckt sich für uns auf die gesamte frühkindliche Phase. Die Kosten für diese Bildung müssen gesamtgesellschaftlich getragen werden, nicht von einzelnen Familien oder überlasteten Kommunen. Gleichzeitig muss Ziel der Politik sein, Betreuungsangebote zu schaffen, die eine Vollzeitbeschäftigung beider Elternteile erlauben. Eine solche Ausweitung wird nicht kurzfristig möglich sein, sondern muss schrittweise – auch in Kooperation mit Arbeitgebern – erarbeitet werden. Die Finanzlage des Heimatortes darf nicht über die Lebenschancen einer Familie entscheiden.
Unsere Pläne:
- Beitragsfreiheit ab dem dritten Lebensjahr: Wir führen schrittweise landesweit kostenlose Kitas vom dritten Lebensjahr bis zur Einschulung ein. Eine beitragsfreie Kita ab dem ersten Lebensjahr soll bedarfsgerecht ebenfalls möglich sein.
- Generationengerechte Finanzierung: Die durch die Ausweitung entstehenden Kosten wollen wir langfristig durch eine Reform der Erbschaftssteuer, die Lücken schließt und das Aufkommen erhöht, durch den Bundesgesetzgeber gegenfinanzieren. So entfaltet diese eine doppelte Wirksamkeit in der Generationengerechtigkeit.
- Land finanziert Beitragsfreiheit: Die Kosten tragen nicht die Kommunen, sondern das Land Niedersachsen. Wir stellen die notwendigen Mittel im Landeshaushalt bereit und schaffen verlässliche Refinanzierungsregelungen, damit Kommunen und Träger langfristig planen können.
- Rechtsanspruch auf Vollzeit-Betreuung: Wir setzen uns dafür ein, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz langfristig zu einem Rechtsanspruch auf einen Platz weiterzuentwickeln, der eine Vollzeitbeschäftigung beider Elternteile ermöglicht.
- Kinderbetreuung in Betrieben und an Hochschulen mitdenken: In der kommunalen Planung von Gewerbegebieten und Industrieparks wird die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung von Anfang an berücksichtigt. Ziel sind öffentlich-private Partnerschaften zum Betrieb betriebsnaher Einrichtungen. Auch an Hochschulen sollen Betreuungsplätze für Kinder von Mitarbeitenden und Studierenden zur Verfügung stehen..
- Kommunale Finanzausstattung sichern: Wir räumen den Kommunen als Trägern öffentlicher Kindertageseinrichtungen den haushälterischen Spielraum ein, um die Versorgung vor Ort sicherzustellen. Das Land nimmt Kommunen nicht in die Pflicht, sondern stattet sie aus.
- Kindertagespflege als gleichwertige Säule: Tageseltern bieten eine wichtige familiennahe Betreuungsalternative, besonders in ländlichen Gebieten und bei besonderen Betreuungszeiten. Die Inanspruchnahme wird finanziell genauso gefördert wie die Betreuung in Kindertagesstätten. Tageseltern erhalten eine angemessene Vergütung und Zugang zu bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards in der Ausbildung.
Gutes Kita-Personal, gute Arbeitsbedingungen
In Niedersachsen besuchen viel zu viele Kinder Gruppen mit nicht kindgerechtem Personalschlüssel. Die Gruppengrößen gehören zu den höchsten bundesweit. Gleichzeitig herrscht akuter Fachkräftemangel – tausende Stellen bleiben unbesetzt. Kurzfristige Krankheitsausfälle führen regelmäßig zu Notbetreuung oder Gruppenschließungen. Zudem fehlt es an bezahlter Vorbereitungszeit, überbordende Dokumentationspflichten belasten die Fachkräfte, und die Bezahlung ist nicht attraktiv genug.
Die Qualität frühkindlicher Bildung hängt maßgeblich von der Ausbildung der Pädagog_innen und der Fachkraft-Kind-Relation ab. Der Trend zu immer größeren Gruppen wird den Bedürfnissen unserer Kinder nicht gerecht. Insbesondere in Kombination mit berufs- und saisonbedingt hohen Krankenständen wird diese Lage auch zum Nachteil für Eltern, die sich auf die Gewährleistung einer Betreuung nicht verlassen können. Kinder lernen in den ersten Jahren vor allem durch Beziehungen zu Erzieher_innen – diese Beziehungen brauchen Zeit und Aufmerksamkeit.
Deshalb müssen wir erheblichen politischen Fokus auf Personalgewinnung und -ausbildung legen. Eine Aufwertung der Arbeitsbedingungen und Entlohnung ist der erste notwendige Schritt. Er muss einhergehen mit bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards für die Ausbildung der Pädagog_innen. Neben Bezahlung und Gruppengröße gibt es weitere Stellschrauben für die Arbeitsbedingungen: bezahlte Vorbereitungszeiten, vereinfachter Zugang zu Weiterbildungen und der Abbau unnötiger Bürokratie.
Unsere Pläne:
- Wissenschaftlich empfohlene Personalschlüssel umsetzen: Wir wollen die Personalbemessung im (Kinderbildungsgesetz) KiBiz schrittweise anpassen, um langfristig die wissenschaftlich empfohlenen Personalschlüssel zu erreichen: maximal 3 Krippenkinder und maximal 7,5 Kindergartenkinder pro Fachkraft.
- Kleinere Gruppen: Die Gruppengrößen werden reduziert, damit Kinder in ruhigerer Umgebung lernen können. Wir streben langfristig maximal 12 Kinder in Krippengruppen und maximal 18 Kinder in Kindergartengruppen an.
- Offensive zur Fachkräftegewinnung: Wir starten eine breit angelegte Kampagne zur Gewinnung von Fachkräften für die frühkindliche Bildung und stärken mit einer Informationsoffensive die öffentliche Wahrnehmung und den Respekt für Mitarbeitende in diesem Bereich.
- Bessere Bezahlung: Wir setzen uns für eine deutliche Verbesserung der Entlohnung pädagogischer Fachkräfte ein und unterstützen Tarifverhandlungen, die zu spürbaren Gehaltssteigerungen führen. Das Land prüft eigene Landeszuschüsse für bessere Vergütung.
- Bezahlte Vorbereitungszeit: Erzieher_innen erhalten ausreichend bezahlte Zeit für Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche, Dokumentation und Teamsitzungen, um eine dem tatsächlichen Arbeitsaufwand entsprechende Entlohnung und realistischen Arbeitszeitschutz zu erreichen.
- Dokumentationspflichten abbauen: Wir führen in Kooperation mit der Bundesebene einen vernunftgeleiteten Rückbau der Dokumentationspflichten durch. Die Notwendigkeit von Dokumentationen wird strikt an ihrer Wirksamkeit bemessen – was nicht wirkt, entfällt.
- Zugang zu Weiterbildungen vereinfachen: Wir schaffen niedrigschwellige Fortbildungsangebote und stellen sicher, dass Fachkräfte während der Arbeitszeit an Weiterbildungen teilnehmen können.
- Anerkennung ausländischer Abschlüsse beschleunigen: Wir vereinfachen die Anerkennung ausländischer pädagogischer Abschlüsse und ermöglichen den Einsatz in Kitas bereits während des Anerkennungsverfahrens bei Nachweis des Sprachniveaus B1, mit der Verpflichtung, B2 innerhalb von 24 Monaten zu erreichen.
Altersgerechte Inhalte und gesunde Ernährung für unsere Jüngsten
Frühkindliche Bildung ist kein Schmuckwort für zeitweilige Kinderverwahrung, sondern ein elementarer Baustein des individuellen Bildungswegs. Deshalb müssen auch in frühkindlichen Einrichtungen Lerninhalte altersgerecht vermittelt werden. Doch zu oft fehlen Ressourcen für individuelle Förderung: Kinder mit Sprachschwierigkeiten warten auf Therapie, Kinder mit besonderen Bedarfen erhalten nicht das notwendige Förderpersonal, und der Kontakt zur Natur kommt im Kita-Alltag häufig zu kurz. Hinzu kommt, dass Essensbeiträge weiterhin von Familien getragen werden müssen, obwohl gesunde Ernährung Teil des Bildungsauftrags sein sollte.
Für uns schließt frühkindliche Bildung insbesondere Inklusion, interkulturelle Bildung, digitale Bildung und Naturverbundenheit ein. Alle Kinder müssen bereits im Kindergartenalter bei Bedarf von Sprachtherapie profitieren können. Der Bedarf an besonderem Förderpersonal muss regelmäßig geprüft und finanziell unterstützt werden. Und Kinder müssen die Möglichkeit erhalten, in engem Kontakt mit der Natur aufzuwachsen und zu lernen – das gehört zu einer ganzheitlichen Bildung dazu.
Ein gesundes, reichhaltiges Essen muss in Kitas allen Kindern kostenlos zur Verfügung stehen. Zudem besteht hier die Möglichkeit, bereits Grundzüge der Ernährungsbildung zu vermitteln, etwa durch Angebote wie gemeinsames Kochen in den Einrichtungen. Gesunde Ernährung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für gute Entwicklung und Teil des Bildungsauftrags in der frühen Kindheit.
Unsere Pläne:
- Inklusion, interkulturelle und digitale Bildung: Wir verankern Inklusion, interkulturelle Bildung und altersgerechte digitale Bildung als Querschnittsthemen in allen Kitas. Kinder lernen Vielfalt als Bereicherung kennen und werden auf eine digitalisierte, diverse Gesellschaft vorbereitet.
- Zugang zu Sprachtherapie: Alle Kinder können bereits im Kindergartenalter bei Bedarf von der Unterstützung von Sprachtherapeut_innen profitieren. Wir schaffen mehr Stellen und verbessern den Zugang zu logopädischer Förderung.
- Besonderes Förderpersonal bedarfsgerecht: Der Bedarf an besonderem Förderpersonal wird einrichtungsspezifisch regelmäßig geprüft und gegebenenfalls vom Land finanziell unterstützt, damit Kinder mit besonderen Bedarfen die Förderung erhalten, die sie brauchen.
- Kostenlose gesunde Verpflegung: Allen Kindern in Kitas steht ein gesundes, reichhaltiges Essen kostenlos zur Verfügung. Die Ernährung ist Teil der Bildung und darf nicht vom Geldbeutel abhängen.
- Gemeinsames Kochen und Ernährungsbildung: Kindergärten erhalten die Möglichkeit, mit Kindern gemeinsam zu kochen und Grundzüge gesunder Ernährung zu vermitteln. Dafür schaffen wir angemessene Fortbildungen für nicht-pädagogisches Personal wie Köch_innen.
- Naturnahe Kitas fördern: Wir sehen eine Aufgabe der Kommunen darin, Kinderbetreuungseinrichtungen von vorneherein möglichst naturnah einzurichten, etwa als Waldkindergärten. Das Land unterstützt solche Konzepte gezielt.
- Naturverbundenheit als Bildungsauftrag: Kinder sollen in engem Kontakt mit der Natur aufwachsen und lernen. Wir fördern Kooperationen zwischen Kitas und Naturschutzverbänden sowie die Einrichtung von Gärten, in denen Kinder säen, pflegen und ernten können.
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