Bildung: Schule

Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben – und damit Ausdruck von Freiheit. Doch die Realität an unseren Schulen in Niedersachsen sieht oft anders aus: überfüllte Klassen, marode Gebäude, überarbeitete Lehrkräfte und ein System, das viel zu oft an den Bedürfnissen der Kinder vorbeigeht. Kindern die größtmöglichen Chancen zu eröffnen, ist eines der wichtigsten Ziele sozialliberaler Politik. Doch dies ist nur möglich durch moderne, gut finanzierte Bildung, denn diese ist die Grundlage für die Zukunft der nächsten Generation und somit auch für die Zukunft unserer Gesellschaft.

Ein Sparen an der Bildung ist nichts anderes als ein Sparen an der Zukunft. Niedersachsen braucht eine Bildungsrevolution, die endlich die individuelle Entwicklung und Förderung jedes einzelnen Kindes in den Mittelpunkt stellt. Talente, Interessen und Stärken müssen erkannt und gezielt gefördert werden. Kinder dürfen vor allem mit ihren Schwächen nicht sich selbst überlassen bleiben, sondern ihnen muss die Unterstützung zuteilwerden, die sie verdienen. Unser Ziel ist ein Schulsystem, das jedes Kind da abholt, wo es steht, und ihm die bestmögliche Förderung ermöglicht.

Wir wollen ein flexibles, modernes Schulsystem schaffen, das Chancengleichheit nicht nur verspricht, sondern auch liefert. Ein System, in dem der Wohnort nicht über Bildungschancen entscheidet, in dem soziale Herkunft keine Hürde mehr darstellt und in dem jedes Kind die Möglichkeit erhält, sein volles Potenzial zu entfalten. Dafür braucht es radikal-vernünftige Reformen und kräftige Investitionen in die Bildung.

Eine Schule, die Talente und Schwächen erkennt

Das heutige dreigliedrige Schulsystem sortiert Kinder viel zu früh in einheitliche Leistungsschubladen. Das missachtet nach Fachbereich unterschiedliche Stärken und Schwächen. Die frühe Trennung zementiert zudem soziale Ungleichheit, statt Chancen zu eröffnen. Zu oft entscheidet nicht das Potenzial eines Kindes über seinen Bildungsweg, sondern die Postleitzahl oder der Geldbeutel der Eltern. Ein Wechsel zwischen Schulformen ist meist mit bürokratischen Hürden verbunden und wird als Scheitern empfunden, nicht als neue Chance. Das muss sich ändern.

Unser Ziel ist ein schulformübergreifendes System, in dem Wechsel zwischen verschiedenen Anforderungsniveaus ohne Stigmatisierung möglich sind. Ein Wechsel nach unten darf nicht mehr gleichbedeutend mit einem sozialen Abstieg sein, sondern muss als neue Chance auf bessere Noten und einen optimalen Abschluss gesehen werden. Gleichzeitig müssen Aufstiegschancen deutlich erleichtert werden, damit jedes Kind sein Potenzial ausschöpfen kann – unabhängig davon, welchen Weg es zunächst eingeschlagen hat.

Unsere Pläne:

  • Fachspezifische Förderstufen statt starrer Schulformen: Ab der 3. Klasse bis zum Ende des 10. Schuljahres werden Schüler_innen in den Hauptfächern in drei Förderstufen eingeteilt (Förderung bei erhöhtem Leistungsniveau, Förderung bei niedrigerem Leistungsniveau, Standardniveau). Diese Einteilung erfolgt für jedes Fach einzeln und wird halbjährlich überprüft, sodass jedes Kind in jedem Fach die Förderung erhält, die es braucht. Förderklassen dürfen maximal 20 Schüler_innen umfassen.
  • Flächendeckender Ausbau der Gesamtschulversorgung in Niedersachsen: Wir schaffen mehr Gesamtschulplätze und fördern gezielt kooperative Gesamtschulen, damit Eltern echte Wahlfreiheit haben und nicht durch mangelnde Plätze in das dreigliedrige System gezwungen werden. Bis 2030 soll jedes Kind in zumutbarer Entfernung Zugang zu einer Gesamtschule haben.
  • Reform der Wiederholung von Schuljahren: Im Zuge der gezielten Förderung durch Förderstufen und erleichterter Schulformwechsel wird die automatische Wiederholung von Schuljahren weitgehend abgeschafft. Eine Wiederholung soll nur noch bei krankheitsbedingtem Ausfall großer Unterrichtsteile oder auf ausdrücklichen Wunsch der Schüler_innen in Absprache mit Eltern und Lehrkräften erfolgen.
  • Flexible Klasseneinteilung zur Förderung sozialer Kompetenzen: Die statische Klassenstruktur wird aufgebrochen. Durch fachabhängige und regelmäßig wechselnde Gruppenzusammensetzungen werden Schüler_innen dazu ermutigt, sich immer wieder in neue Gruppen zu integrieren. Dies fördert soziale Kompetenzen und verhindert die Bildung fester Cliquen mit Ausgrenzungstendenzen.
  • Verpflichtendes Vorschuljahr für alle Kinder: Zur Sicherstellung der Schulfähigkeit und besseren sprachlichen Förderung führen wir ein verpflichtendes Vorschuljahr ein. Dies hilft, dass Kinder nicht bereits ab Schulbeginn durch mangelnde Deutschkenntnisse benachteiligt werden und verhaltensauffällige Kinder die nötige Unterstützung erhalten.
  • Reform der gymnasialen Oberstufe mit freier Fächerwahl: Die Oberstufe bleibt als Mischung von Grund- und Leistungskursen erhalten, aber die Fächerwahl wird vollständig freigestellt. Schüler_innen können ihre Schwerpunkte selbst setzen, lediglich die Anzahl der Grund- und Leistungskurse wird landesweit einheitlich festgelegt.

Schule muss endlich im 21. Jahrhundert ankommen

Unser Schulsystem muss endlich die Erkenntnisse der Wissenschaft ernst nehmen und die Kinder auf die Realitäten des 21. Jahrhunderts vorbereiten. Das gilt für biologisch informierte Schulstartzeiten, digitale Infrastruktur genauso wie für Ganztagsunterricht. Nur wenn Schulen nachmittags Förderung, Hausaufgabenbetreuung und vielfältige Angebote bereitstellen, können alle Kinder – unabhängig von der Unterstützung zuhause – die gleichen Bildungschancen erhalten. Gleichzeitig vereinbart die Ganztagsschule Bildung mit der Lebenswirklichkeit berufstätiger Eltern und schafft Raum für individuelle Förderung und soziales Lernen.

Auch das Fächerangebot an unseren Schulen muss die Anforderungen der modernen Welt widerspiegeln. Wir brauchen einen Unterricht, der Kinder nicht nur auf Prüfungen, sondern auf das Leben vorbereitet.

Unsere Pläne:

  • Späterer Schulbeginn zwischen 9:00 und 10:30 Uhr: Wir verschieben den Schulbeginn an weiterführenden Schulen landesweit nach hinten. Schulen können in diesem Zeitkorridor ihren Start individuell festlegen, müssen aber dem größeren Schlafbedürfnis von Kindern und Jugendlichen Rechnung tragen. Dies steigert nachweislich Leistungsfähigkeit, Kreativität und Wohlbefinden.
  • Flächendeckende Einführung der Ganztagsschule: Alle Schulen in Niedersachsen werden schrittweise zu echten Ganztagsschulen ausgebaut. Der fächergebundene Unterricht findet vormittags statt, nach einer ausreichenden Mittagspause folgen Förderangebote, Hausaufgabenbetreuung und Kurse in Sport, Kultur, Sprachen, Naturwissenschaften und Musik. An einem Nachmittag ist die Teilnahme verpflichtend, an den anderen freiwillig.
  • Kostenlose warme Mahlzeiten in Schulmensen: Ganztagsschulen richten Mensen oder Cafeterien mit ausgewogenem, qualitativ hochwertigem Essensangebot ein. Die Mahlzeiten sind für alle Schüler_innen kostenfrei und werden aus Steuermitteln über die Schulträger finanziert – nicht über das Schulbudget oder Elternbeiträge.
  • Flächendeckendes, leistungsstarkes W-LAN an allen Schulen: Jede Schule erhält schnelles, stabiles W-LAN mit ausreichender Bandbreite. Das Land stellt zudem datenschutzkonforme Cloud-Lösungen bereit, die von allen Schulen genutzt werden können. Digitale Bildung braucht digitale Infrastruktur – und die stellen wir zur Verfügung.
  • Werte und Normen statt konfessionellem Religionsunterricht: Der konfessionelle Religionsunterricht wird durch ein gemeinsames Fach „Werte und Normen“ ersetzt, in dem alle Schüler_innen unabhängig von ihrer Religion gemeinsam unterrichtet werden. Das Fach behandelt verschiedene Kulturen, Religionen und philosophische Traditionen gleichberechtigt und fördert gegenseitigen Respekt und Verständnis in unserer vielfältigen Gesellschaft.
  • Deutlich mehr schulische Praktika: Alle Schüler_innen absolvieren spätestens im 9., 10. und 11. Schuljahr jeweils ein mindestens zweiwöchiges Praktikum. Betriebe, Behörden und soziale Einrichtungen schaffen spezielle Praktikumsprogramme, die jungen Menschen realistische Einblicke in verschiedene Berufsfelder geben. Besonders im Medien-, Kommunikations- und IT-Sektor bauen wir die Praktikumsstrukturen massiv aus.
  • Förderung kreativer und musischer Fähigkeiten: Im Nachmittagsangebot der Ganztagsschulen können Schüler_innen durch subventionierte Kooperationen mit Musikschulen, Volkshochschulen und Kultureinrichtungen ein Instrument erlernen oder Kurse in Kunst, Theater, Fotografie oder Tanz belegen.
  • Früher Sprachenunterricht ab der Vorschule: Das spielerische Erlernen der ersten Fremdsprache beginnt bereits im Kindergarten und wird im Vorschuljahr fortgesetzt. Für Kinder mit Migrationshintergrund oder Dialekthintergrund bieten wir in den ersten beiden Schuljahren gesonderte Sprachförderkurse am Nachmittag an, damit alle Kinder die gleichen Startchancen haben.
  • Vernünftige Medienordnung statt pauschaler Verbote: Wir lehnen pauschale Handyverbote und elternfinanzierte Tablets mit Überwachungssoftware ab. Schulen entwickeln stattdessen altersgerechte Richtlinien für verantwortungsvolle Mediennutzung. Benötigte Geräte stellt die Schule zur Verfügung, um Chancengleichheit zu gewährleisten. Lehrkräfte fungieren als Mentor_innen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien.

Wir machen den Lehrberuf wieder attraktiv

Der Lehrkräftemangel in Niedersachsen ist dramatisch und wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Gleichzeitig sind viele Lehrerinnen und Lehrer am Limit: überfüllte Klassen, überquellende Lehrpläne, Verwaltungsaufgaben ohne Ende und eine Bezahlung, die der Bedeutung des Berufs nicht gerecht wird. Die Folge: Zu wenige junge Menschen entscheiden sich für ein Lehramtsstudium, viele brechen es ab, und erfahrene Lehrkräfte sind ausgebrannt. Das können und wollen wir nicht länger hinnehmen.

Der Lehrberuf genießt heute nicht mehr den Stellenwert in der Gesellschaft, den er verdient. Dabei leisten Lehrerinnen und Lehrer eine der wichtigsten Arbeiten überhaupt: Sie prägen die Zukunft unserer Gesellschaft. Diese Arbeit ist physisch und vor allem psychisch unglaublich kräftezehrend – und wird dennoch viel zu schlecht bezahlt. Wir müssen deutlich machen: Lehrkraft zu sein eine hochprofessionelle, anspruchsvolle Tätigkeit, die entsprechend gewürdigt werden muss.

Nur mit motivierten, gut ausgebildeten und ausreichend unterstützten Lehrkräften können wir ein Bildungssystem schaffen, das jedem Kind gerecht wird. Das bedeutet: bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Unterstützung und eine Reform der Lehrerausbildung, die angehende Lehrkräfte wirklich auf die Herausforderungen des Schulalltags vorbereitet. Die Investition in unsere Lehrkräfte ist eine Investition in die Zukunft unseres Landes.

Unsere Pläne:

  • Deutliche Gehaltserhöhung und einheitliche Bezahlung: Wir erhöhen die Gehälter für Lehrkräfte spürbar und führen eine einheitliche Bezahlung unabhängig von Schulform und Altersstufe ein. Die Arbeit einer Grundschullehrkraft ist genauso wertvoll wie die einer Gymnasiallehrkraft – das muss sich endlich im Gehalt widerspiegeln. Lehrkräfte werden der Bedeutung ihrer Arbeit entsprechend bezahlt.
  • Duales Lehramtsstudium für mehr Praxisnähe: Wir führen ein duales Lehramtsstudium ein, das von Anfang an Theorie und Praxis verzahnt. Studierende sind direkt einer Schule zugeordnet, sammeln früh Praxiserfahrungen und erhalten ein Gehalt. Das aufwendige Referendariat am Ende entfällt, und Studienabbrecher_innen stehen nicht mehr ohne brauchbaren Abschluss da. Die Pädagogik und Fachdidaktik rücken stärker in den Fokus.
  • Qualifizierter Seiteneinstieg mit verbindlichem Nachqualifizierungsweg: Wir begrüßen den Seiteneinstieg fachwissenschaftlich qualifizierter Personen in den Lehrberuf. Um die Unterrichtsqualität zu sichern, schaffen wir einen landesweit einheitlichen, verpflichtenden und berufsbegleitenden Nachqualifizierungsweg, etwa durch einen Masterstudiengang, der fachdidaktische und pädagogische Kompetenzen vermittelt.
  • Regelmäßige Fachtauglichkeitsprüfungen für Lehrkräfte: Lehrkräfte nehmen alle fünf Jahre an einer Fachtauglichkeitsprüfung teil, um ihre fachliche Kompetenz nachzuweisen. Wer die Prüfung nicht besteht, erhält ein Jahr Zeit für Fortbildungen und eine Wiederholungsprüfung. Gleichzeitig bieten wir attraktive Fortbildungsangebote an, die Lehrkräfte in ihrer fachlichen und pädagogischen Entwicklung unterstützen.
  • Psychologische Unterstützung und Sabbatjahre: Wir bieten Lehrkräften kostenlose psychologische Beratung an, um Überarbeitung und Burn-out vorzubeugen. Zudem ermöglichen wir unbezahlte Sabbatjahre und verschiedene Modelle der Altersteilzeit, damit Lehrkräfte langfristig gesund und motiviert bleiben.
  • Entlastung von berufsfremden Tätigkeiten: Lehrkräfte sollen sich auf das konzentrieren, wofür sie ausgebildet wurden: Unterrichten und Kinder fördern. Deshalb setzen wir speziell ausgebildete Verwaltungsangestellte, Schulpsycholog_innen und Schulsozialarbeiter_innen an jeder Schule ein. Die Anzahl richtet sich nach der Anzahl der Schüler_innen. Lehrkräfte werden von Verwaltungs- und Betreuungsaufgaben befreit.

Schulgebäude und Lernumfeld: Endlich Sanieren und Modernisieren

Ein Blick in viele Schulen in Niedersachsen offenbart ein beschämendes Bild: bröckelnder Putz, kaputte Toiletten, undichte Dächer, zu kleine Räume, fehlende Barrierefreiheit und oft keinerlei moderne Technik. In solchen Gebäuden können weder Kinder gut lernen noch Lehrkräfte gut arbeiten. Der Sanierungsstau an unseren Schulen ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern ein massives Hindernis für gute Bildung. Wenn wir die Potenziale unserer Kinder ausschöpfen wollen, brauchen wir auch die räumlichen Voraussetzungen dafür.

Moderne Bildung braucht moderne Räume. Das bedeutet ausreichend große, gut belüftete Klassenzimmer, funktionierende Fachräume für Naturwissenschaften und Kunst, Mensen für die Mittagsverpflegung, Räume für Gruppenarbeit und Rückzug, und vor allem eine zeitgemäße digitale Infrastruktur. Schulen müssen Orte sein, an denen Kinder und Jugendliche sich wohlfühlen und bestmöglich lernen können. Dafür müssen wir massiv investieren.

Gleichzeitig darf es nicht sein, dass Kinder auf dem Land stundenlang in überfüllten Bussen unterwegs sind oder viel zu früh an der Schule ankommen müssen. Ein gutes Lernumfeld endet nicht am Schultor, sondern schließt auch den Weg zur Schule mit ein. Wir sorgen dafür, dass alle Kinder sicher, komfortabel und pünktlich zur Schule kommen.

Unsere Pläne:

  • Milliardenschweres Sanierungs- und Modernisierungsprogramm: Das Land Niedersachsen legt ein langfristiges Investitionsprogramm auf, um den Sanierungsstau an Schulen abzubauen. Jede Schule erhält die Mittel, die sie für dringende Sanierungen, barrierefreie Umbauten und moderne Ausstattung braucht. Schulträger werden dabei finanziell massiv unterstützt.
  • Moderne technische Ausstattung in jedem Klassenzimmer: Jedes Klassenzimmer wird mit modernen Präsentationstechniken (digitale Tafeln, Beamer, Dokumentenkameras) ausgestattet. Schulen erhalten ausreichend Tablets und Computer für den Unterricht, sodass Schüler_innen nicht eigene teure Geräte anschaffen müssen.
  • Takterhöhung von Bussen zur Schulzeit: Zu Schulzeiten sind Busse meist überfüllt, was vor allem im ländlichen Raum zu großen Problemen beim Schulweg führt. Wir wollen, dass die Taktung der Busse vor Unterrichtsbeginn erhöht wird. Zusätzlich unterstützen wir Schülertickets zur kostenfreien Nutzung des Nahverkehrs.
  • Generelle Senkung von Bildungskosten: Bildung muss für jedes Kind bezahlbar und erreichbar sein. Wir senken oder streichen Gebühren im gesamten Bildungsbereich und unterstützen Familien mit geringem Einkommen.
  • Landesweite Schulpflicht mit einheitlichen Regelungen: Wir bekennen uns zur allgemeinen Schulpflicht in Niedersachsen. Die Ausgestaltung wird landesweit einheitlich geregelt, um für Schüler_innen und Eltern Klarheit und Verbindlichkeit zu schaffen.
  • Sicherheit an Schulen: Zur Unterbindung von Straftaten an Schulen und zum Schutz von Lehrkräften und Mitschüler_innen wollen wir an Brennpunkten Sicherheitskräfte platzieren, bis die Lage sich verbessert. Es muss zudem einen disziplinarischen Werkzeugkasten geben, der diese Vorfälle effektiv unterbindet, ohne das Problem lediglich an eine andere Stelle zu verschieben. Entscheidend ist etwa das Schulpsychologische Angebot an solchen Einrichtungen.

Niedersachsen als Vorreiter für bundesweite Bildungsstandards

Der Bildungsföderalismus führt zu einem inakzeptablen Qualitätsgefälle zwischen den Bundesländern. Allein der Wohnort entscheidet über Bildungschancen – ein Zustand, den wir als Sozialliberale nicht länger hinnehmen können. Ein Umzug von einem Bundesland ins andere bedeutet für Kinder oft, dass sie Unterrichtsstoff nachholen müssen oder Abschlüsse nicht anerkannt werden. Niedersachsen kann den Bildungsföderalismus nicht alleine abschaffen, aber wir können Vorreiter für bundesweite Standards werden.

Zentrale Abschlussprüfungen in Niedersachsen sind bereits ein wichtiger Schritt zu mehr Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit. Doch wir müssen weiterdenken: Niedersachsen muss sich auf Bundesebene für einheitliche Mindeststandards, vergleichbare Lehrpläne und bundesweit anerkannte Abschlüsse einsetzen. Nur so schaffen wir echte Chancengleichheit und erleichtern es Betrieben und Hochschulen, die Leistungen von Bewerberinnen und Bewerbern fair zu bewerten.

Gleichzeitig dürfen wir nicht im Klein-Klein der 16 Kultusministerien verharren. Nordrhein-Westfalen muss seine Größe und politisches Gewicht nutzen, um auf Bundesebene für eine Reform des Bildungsföderalismus zu werben. Wir setzen uns dafür ein, dass der Bund ein minimales, für alle Länder geltendes Bildungssystem definiert, das von den Ländern verwaltet wird. Die besten Ideen aus den Ländern sollen dabei bundesweit übernommen werden können.

Unsere Pläne:

  • Zentrale Abschlussprüfungen in Niedersachsen beibehalten und ausbauen: Wir behalten die zentralen Abschlussprüfungen an allen weiterführenden Schulen in Niedersachsen bei und entwickeln sie kontinuierlich weiter. Sie gewährleisten Vergleichbarkeit und Fairness innerhalb unseres Landes und dienen als Vorbild für bundesweite Standards.
  • Niedersachseninitiative für bundesweite Bildungsstandards: Niedersachsen nimmt eine Führungsrolle in der Kultusministerkonferenz ein und setzt sich aktiv für bundesweit einheitliche Mindeststandards bei Lehrplänen, Abschlüssen und Prüfungen ein. Wir wollen, dass ein Abitur aus Niedersachsen genauso viel wert ist wie eines aus Bayern oder Bremen – und umgekehrt.
  • Bundesweite Anerkennung von Lehrkräftequalifikationen: Wir setzen uns auf Bundesebene dafür ein, dass Lehrkräfte bei einem Wechsel in ein anderes Bundesland nicht mehr in der Gehaltseinstufung zurückfallen. Die Lehrerausbildung muss bundesweit vergleichbar und wechselseitig anerkannt werden.
  • Modellregion Niedersachsen für innovative Bildungskonzepte: Niedersachsen wird zur Modellregion für innovative Schulkonzepte. Erfolgreiche Reformprojekte aus unserem Land – etwa im Bereich Gesamtschulen, Digitalisierung oder individuelle Förderung – sollen dokumentiert und anderen Bundesländern als Blaupause zur Verfügung gestellt werden.
  • Zusammenarbeit statt Konkurrenzkampf zwischen den Ländern: Wir setzen uns dafür ein, dass die Bundesländer bei Bildungsreformen stärker kooperieren und Best Practices austauschen, statt in ständigem Wettbewerb zu stehen. Gute Bildungspolitik darf keine Frage des Bundeslandes sein, sondern muss für alle Kinder in Deutschland gelten.

Weitere Themenprogramme:

  • Bildung: Berufliche Bildung

    Die berufliche Bildung ist ein Erfolgsmodell, auf das Niedersachsen stolz sein kann. Während in vielen europäischen Ländern die Jugendarbeitslosigkeit dramatische Ausmaße annimmt, sorgt unser duales Ausbildungssystem für verlässliche Perspektiven und qualifizierte Fachkräfte. Die enge Verzahnung von praktischer Ausbildung im Betrieb und theoretischer Bildung in der Berufsschule vermittelt nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern bereitet junge Menschen…

  • Bildung: Frühkindliche Bildung

    In der Frühkindlichen Bildung werden die Grundsteine für ein erfolgreiches, erfüllendes Leben gelegt. Trotzdem ist sie bei uns in Niedersachsen keine Priorität. In Schweden oder Norwegen belaufen sich die Ausgaben in diesem Bereich auf fast 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – Deutschland investiert nur etwa 1,1 Prozent. Jedes Kind in Niedersachsen muss Zugang zu hochwertiger Betreuung…

  • Bildung: Qualifizierung & lebenslanges Lernen

    Fit für die Arbeitswelt von morgen Der wirtschaftliche Wandel wartet nicht. Digitalisierung und Dekarbonisierung verändern Berufsbilder schneller, als viele Beschäftigte mithalten können. Gleichzeitig fehlen in Niedersachsen bereits heute Fachkräfte in Schlüsselbranchen – von der IT über das Handwerk bis zur Pflege. Wer nicht rechtzeitig in Weiterbildung investiert, riskiert den Anschluss. Das gilt für Einzelne ebenso…