Fit für die Arbeitswelt von morgen
Der wirtschaftliche Wandel wartet nicht. Digitalisierung und Dekarbonisierung verändern Berufsbilder schneller, als viele Beschäftigte mithalten können. Gleichzeitig fehlen in Niedersachsen bereits heute Fachkräfte in Schlüsselbranchen – von der IT über das Handwerk bis zur Pflege. Wer nicht rechtzeitig in Weiterbildung investiert, riskiert den Anschluss. Das gilt für Einzelne ebenso wie für ganze Regionen.
Lebenslanges Lernen darf kein Privileg sein, sondern muss für alle erreichbar werden. Zu oft scheitert berufliche Weiterbildung an fehlender Orientierung, mangelnder Zeit oder unklaren Finanzierungswegen. Besonders Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen oder in prekärer Beschäftigung bleiben außen vor – obwohl gerade sie am meisten von Qualifizierung profitieren würden. Das ist nicht nur sozial ungerecht, sondern auch wirtschaftlich kurzsichtig.
Niedersachsen braucht eine Weiterbildungsoffensive, die niemanden zurücklässt. Wir setzen auf niedrigschwellige Beratung, passgenaue Angebote und enge Verzahnung von Arbeitsmarktpolitik, Unternehmen und Bildungsträgern. Nur wenn Qualifizierung zur Selbstverständlichkeit wird, sichern wir Beschäftigung, Wohlstand und Chancengerechtigkeit in der Transformation. Niedersachsen hat das Potenzial, Vorreiter für eine lernende Arbeitsgesellschaft zu werden.
Unsere Pläne:
- Flächendeckende Weiterbildungsberatung aufbauen: Wir schaffen ein landesweites Netz kostenloser, trägerunabhängiger Beratungsstellen, die Beschäftigte individuell zu Qualifizierungsmöglichkeiten, Förderprogrammen und Bildungsangeboten beraten. Die Beratung erfolgt niedrigschwellig, auch aufsuchend in Betrieben und Stadtteilen, und berücksichtigt persönliche Lebenslagen sowie regionale Arbeitsmarktbedarfe. Durch gezielte Informationskampagnen machen wir Weiterbildungsangebote und Fördermöglichkeiten bekannter und sorgen dafür, dass mehr Menschen diese Chancen auch tatsächlich nutzen.
- Qualifizierungsoffensive Digitalisierung und Dekarbonisierung starten: Wir legen ein Landesprogramm zur gezielten Weiterbildung in Zukunftstechnologien auf – von digitalen Kompetenzen über Programmierung bis zu grüner Energie und Kreislaufwirtschaft. Dabei arbeiten wir mit Kammern, Gewerkschaften und Betrieben zusammen, um bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln, die sowohl für Un- und Angelernte als auch für Fachkräfte im Umbruch zugänglich sind.
- Kooperation zwischen Arbeitsagenturen, Betrieben und Bildungsträgern institutionalisieren: Wir schaffen verbindliche regionale Weiterbildungsallianzen, in denen Jobcenter, Arbeitsagenturen, Unternehmen, Kammern, Gewerkschaften und Bildungsanbieter gemeinsam Qualifizierungsbedarfe ermitteln und passgenaue Angebote entwickeln. Diese Strukturen sichern, dass Weiterbildung arbeitsmarktnah und praxisorientiert erfolgt.
- Arbeitsmarktdrehscheiben als Landesprogramm etablieren: Nach dem Vorbild erfolgreicher Modellprojekte richten wir in strukturschwachen Regionen Arbeitsmarktdrehscheiben ein, die Beschäftigte aus schrumpfenden Branchen gezielt umschulen, vermitteln und in Wachstumsbereiche begleiten. Diese Drehscheiben werden vom Land kofinanziert und mit den regionalen Weiterbildungsallianzen verzahnt.
- Mobile Beratungsteams für Ansprache am Arbeitsplatz einsetzen: Wir schicken qualifizierte Berater_innen direkt in Betriebe, um dort Beschäftigte über Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren und für Qualifizierung zu gewinnen. Gerade Menschen, die bisher wenig Berührung mit Weiterbildung hatten, erreichen wir so in ihrem Arbeitsalltag – niedrigschwellig, persönlich und vertrauensvoll.
- Mindestinvestitionsquote für Bildung im Landeshaushalt verankern: Wir schreiben gesetzlich fest, dass Niedersachsen mindestens fünf Prozent seines BIPs für Bildung – von der Kita bis zur Weiterbildung – investiert. Damit schaffen wir Planungssicherheit für Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen und sichern langfristig die Qualität und Erreichbarkeit von Bildungsangeboten im ganzen Land.
- MINT-Förderung und digitale Kompetenzen ausbauen: Wir stärken die Vermittlung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik bereits in Schulen und setzen diesen Förderung in der beruflichen und akademischen Weiterbildung fort. Zugleich fördern wir gezielt digitale Grundkompetenzen für alle Altersgruppen – vom sicheren Umgang mit Anwendungen bis zu kritischem Denken in der digitalen Welt.
- Berufsorientierung konsequent auf Zukunftsbranchen ausrichten: Wir modernisieren die Berufs- und Studienorientierung an Schulen, indem wir Schüler_innen gezielt mit Berufsfeldern der Zukunft – etwa in Klimatechnologien, Gesundheitswirtschaft oder IT – in Kontakt bringen. Praktika, Betriebsbesuche und Mentoring-Programme mit Unternehmen aus Zukunftsbranchen werden landesweit ausgebaut und unterstützt.
- Bildungsfreistellung erleichtern und bekannt machen: Wir sorgen dafür, dass der gesetzliche Anspruch auf Bildungsurlaub in Niedersachsen besser genutzt wird, indem wir Informationskampagnen starten, bürokratische Hürden abbauen und die Anerkennung von Bildungsangeboten beschleunigen. Beschäftigte sollen wissen, dass ihnen fünf Tage bezahlte Freistellung pro Jahr für Weiterbildung zustehen – und diese auch selbstverständlich in Anspruch nehmen.
- Hochschulen für berufliche Weiterbildung öffnen: Wir bauen systematisch Zugangshürden ab und ermöglichen beruflich Qualifizierten ohne klassisches Abitur den Zugang zu Hochschulangeboten. Gleichzeitig entwickeln die Hochschulen des Landes bedarfsgerechte Weiterbildungsformate, die auf die Erfahrungen und Bedürfnisse von Berufstätigen zugeschnitten sind und akademische Bildung für neue Zielgruppen erschließen.
- Modulare digitale Weiterbildungsformate ausbauen: Wir fördern den Aufbau flexibler, zeit- und ortsunabhängiger Weiterbildungsangebote, die sich mit Beruf und Familie vereinbaren lassen. Hochschulen, Berufskollegs und andere Bildungstragende entwickeln modulare Formate, die einzeln buchbar sind und sich zu anerkannten Abschlüssen kombinieren lassen – so wird lebenslanges Lernen für alle praktikabel.
- Weiterbildung als Arbeitszeit: Fortbildungen sollen als reguläre Arbeitszeit angerechnet werden, um berufliche Qualifizierung ohne Einkommensverlust zu ermöglichen.
- Volkshochschulen und Stadtbibliotheken als niedrigschwelliges Angebot ausbauen: Uns ist es ein wichtiges Anliegen, Angebote von Volkshochschulen, Bibliotheken und ähnlichem zu erhalten, da sie allen Bürger_innen einen Zugang zu Bildung ermöglichen.
- Seniorennetzwerke und Eigeninitiativen stärken
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