Familie und Jugend

Kinder sind unsere Zukunft – diese Binsenweisheit ist wahr, doch sie wird im politischen Alltag zu oft vergessen. Während wir über Infrastruktur, Wirtschaftsförderung und Digitalisierung debattieren, wachsen junge Menschen in einem Land auf, das ihre Bedürfnisse zu selten in den Mittelpunkt stellt. Zu viele Kinder erleben Armut, zu viele Jugendliche fühlen sich nicht gehört, zu viele Familien kämpfen mit dem Spagat zwischen Beruf und Familie. Dabei entscheidet sich in den ersten Lebensjahren, welche Chancen ein Mensch haben wird – und ob unsere Gesellschaft zusammenhält oder auseinanderdriftet.

Wir Liberalen glauben an eine Gesellschaft, die jedem Kind die bestmöglichen Startchancen gibt – unabhängig von Herkunft, Wohnort oder Familienmodell. Eine gute Kindheit ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht. Das bedeutet: sichere Orte zum Spielen und Aufwachsen, Bildungseinrichtungen, die fördern statt sortieren, und Familien, die Unterstützung erhalten, wenn sie sie brauchen. Es bedeutet aber auch, junge Menschen als eigenständige Persönlichkeiten ernst zu nehmen, ihre Stimmen in politische Entscheidungen einzubeziehen und ihnen Verantwortung zu übertragen.

Unsere Politik für Kinder, Jugendliche und Familien folgt drei Leitprinzipien: Wir schaffen die Rahmenbedingungen für eine gute Kindheit, wir entlasten Eltern durch kluge Infrastruktur und flexible Angebote, und wir stärken die politische Teilhabe junger Menschen. Kinder- und Jugendpolitik ist keine Sozialpolitik für eine Randgruppe – sie ist Zukunftspolitik für unser ganzes Land. Und Familienpolitik bedeutet für uns: alle Familienformen anzuerkennen, die auf Liebe, Fürsorge und Verantwortung basieren, und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen, um diese Verantwortung gut leben zu können.

Eine gute Kindheit als Start in ein gutes Leben

Jedes Kind hat das Recht auf eine Kindheit, in der es sich sicher fühlt, gefördert wird und seine Potenziale entfalten kann. Die Realität sieht anders aus: In Niedersachsen wächst jedes fünfte Kind in Armut auf, psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen haben dramatisch zugenommen, und der Zugang zu Unterstützungsangeboten hängt viel zu oft vom Wohnort ab. Ob ein Kind Zugang zu guter Betreuung, zu Freizeitangeboten oder zu professioneller Hilfe in Krisensituationen hat, darf keine Frage der Postleitzahl sein.

Wir wollen ein Niedersachsen, in dem Kinderschutz nicht erst greift, wenn es zu spät ist, sondern präventiv und niedrigschwellig ansetzt. Ein Land, in dem jedes Kind gesund aufwachsen kann – körperlich wie psychisch. Ein Land, in dem Spielplätze und Bolzplätze selbstverständlich sind und Kinderlärm als das verstanden wird, was er ist: Ausdruck einer lebendigen Gesellschaft. Und ein Land, in dem auch die verletzlichsten Kinder – etwa junge Menschen, die aus der Jugendhilfe in die Selbstständigkeit wechseln – nicht allein gelassen werden.

Unsere Pläne:

  • Familienportal Niedersachsen als One-Stop-Shop: Mit einem zentralen digitalen Familienportal schaffen wir eine Anlaufstelle, die alle kind- und familienbezogenen Leistungen gebündelt zugänglich macht. Familien sollen von Elterngeld über Unterhaltsvorschuss bis zur Kinderwunschbehandlung alle Informationen und Antragsverfahren an einer Stelle finden – ohne Behördenmarathon, aber mit der Möglichkeit persönlicher Beratung. In NRW wurde mit dem Aufbau eines solchen Familienportals bereits begonnen, welches in Niedersachsen als Vorbild verwendet werden kann.
  • Mental Health in Bildungseinrichtungen verankern: Wir stärken präventive Angebote zur psychischen Gesundheit in Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen. Schulpsychologische Dienste werden ausgebaut, Lehrkräfte und Erzieher:innen für das Thema sensibilisiert, und niedrigschwellige Beratungsangebote geschaffen.
  • Kostenloses Mittagessen an Schulen und Kitas: Ein gesundes, warmes Mittagessen sollte für alle Kinder selbstverständlich sein – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Wir wollen das bereits im Bildungsbereich geplante kostenlose Mittagessen konsequent umsetzen und damit sowohl die Ernährung der Kinder verbessern als auch Familien finanziell entlasten.
  • Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: Wir setzen uns für die Stärkung des Sozialpasses für Menschen mit geringem Einkommen ein, welcher Vergünstigungen für ÖPNV, Museen, Schwimmbäder und andere öffentliche Einrichtungen gewährt. Wir unterstützen Kommunen, die kostenlose Freizeit- und Kulturangebote für Kinder aus Armutsfamilien anbieten (z.B. Ferienfreizeiten, Sportkurse).
  • Ferienfreizeiten und Bildungsangebote fördern: Wir erhöhen die Landesmittel für Ferienfreizeiten, außerschulische Bildungsprogramme in den Schulferien und bezuschussen Vereinsmitgliedschaften für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Jedes Kind soll Zugang zu Erholung, Bildung und Gemeinschaft haben.
  • Careleaver-Programm für einen guten Start ins selbstständige Leben: Junge Volljährige, die die stationäre Jugendhilfe verlassen, stehen oft von heute auf morgen ohne Unterstützung da. Wir werden ein landesweites Careleaver-Programm auflegen, das Jugendwohnheime ausbaut, in denen auch junge Volljährige wohnen dürfen, und das eine umfassende Begleitung beim Übergang in die Selbstständigkeit bietet – von der Wohnungssuche über Behördengänge bis zur psychosozialen Unterstützung.
  • Landesweites Spielplatzprogramm auflegen: Kinder brauchen Bewegung und Freiräume. Mit einem Programm „500 Spielplätze für Niedersachsen“ werden wir Kommunen dabei unterstützen, Spielplätze, Bolzplätze und Skateanlagen zu erhalten, neu zu schaffen und barrierefrei zu gestalten. Bei der Planung werden Kinder und Jugendliche verbindlich beteiligt.
  • Lärmschutzregelungen jugendfreundlich gestalten: Lärm von Spielplätzen, Bolzplätzen und Jugendeinrichtungen ist kein Umweltlärm, sondern Ausdruck einer lebendigen Gesellschaft. Wir werden prüfen, wie landesrechtliche Regelungen so angepasst werden können, dass Kinder- und Jugendlärm privilegiert behandelt wird und Anwohnerklagen nicht zum Aus von Jugendangeboten führen.
  • Einheitliche Kinderschutzstrukturen schaffen: Wir sorgen für landesweit vergleichbare Verfahren, Standards und Qualifikationen im Kinderschutz. Unabhängig vom Wohnort sollen alle Kinder in Niedersachsen den gleichen Schutz und die gleiche Qualität der Unterstützung erhalten.
  • Kinderschutzgesetz weiterentwickeln: Wir passen das niedersächsische Kinderschutzgesetz kontinuierlich an neue Herausforderungen an – von digitaler Gewalt bis zu den Folgen der Pandemie. Prävention, Früherkennung und wirksame Intervention müssen Hand in Hand gehen.
  • Streetwork und mobile Jugendarbeit ausbauen: In sozial benachteiligten Stadtteilen und dort, wo Jugendliche keinen Zugang zu klassischen Angeboten finden, bauen wir aufsuchende Jugendarbeit systematisch aus. Mobile Teams erreichen junge Menschen dort, wo sie sind.
  • Vielfalt von Familienmodellen anerkennen: Unsere Familienpolitik unterstützt alle Familienformen gleichberechtigt – ob klassische Kernfamilie, Regenbogenfamilie, Patchworkfamilie oder Alleinerziehende. Förderung und Unterstützung richten sich nach dem Bedarf, nicht nach dem Modell.

Ein Land, das seine Eltern entlastet

Eltern zu sein ist eine der schönsten Aufgaben der Welt – und eine der anstrengendsten. Wer Kinder großzieht, jongliert täglich zwischen Beruf und Familie, zwischen Kita-Öffnungszeiten und Arbeitgeberforderungen, zwischen Förderbedarf und Freizeitgestaltung. Besonders für Alleinerziehende, für Eltern in Schichtarbeit oder für Familien mit mehreren Kindern wird dieser Spagat zum Kraftakt. Und während andere Länder längst erkannt haben, dass gute Familienpolitik auch gute Standortpolitik ist, fehlt es in Deutschland an einer Infrastruktur, die Eltern wirklich entlastet.

Wir Liberalen Demokraten wollen keine Familienpolitik, die Eltern vorschreibt, wie sie zu leben haben. Wir wollen eine Familienpolitik, die echte Wahlfreiheit ermöglicht: Wahlfreiheit, wie Erwerbs- und Sorgearbeit aufgeteilt wird. Wahlfreiheit, welche Betreuungsmodelle zur eigenen Lebenssituation passen. Wahlfreiheit, wie viel Zeit mit den Kindern verbracht werden kann. Diese Wahlfreiheit entsteht nicht durch Appelle an Arbeitgeber oder Sonntagsreden über Vereinbarkeit – sie entsteht durch kluge Infrastruktur, flexible Angebote und eine Gesellschaft, die alle Familienmodelle wertschätzt.

Unsere Pläne:

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern: Wir schaffen die Rahmenbedingungen für echte Wahlfreiheit bei der Gestaltung von Familie und Erwerbsleben – durch flexible Betreuungszeiten, familienfreundliche Arbeitsmodelle im öffentlichen Dienst als Vorbild und bessere Unterstützung für erwerbstätige Eltern.
  • Bildungscampus als Zukunftsmodell fördern: Wir unterstützen das Modell des Bildungscampus, der Kita, Schule, Förderschulangebote und Freizeitpädagogik an einem Ort verbindet. Die Bündelung senkt Logistikanforderungen an Eltern erheblich und ermöglicht bessere Übergänge zwischen den Bildungsstufen sowie effizientere Ressourcennutzung.
  • Familienzentren an allen Grundschulen etablieren: Wir ermöglichen es, dass jede Grundschule in Niedersachsen zum Familienzentrum werden kann. Diese Zentren bieten niedrigschwellige Beratung, Bildungsangebote für Eltern und Vernetzung im Sozialraum – und machen professionelle Unterstützung für alle Familien wohnortnah zugänglich.
  • Alleinerziehende gezielt unterstützen: Alleinerziehende sind auf verlässliche Infrastruktur besonders angewiesen. Wir werden den Ausbau von Kinderbetreuung in Randzeiten fördern und Projekte unterstützen, bei denen Kinder bei Bedarf in ihrem häuslichen Umfeld betreut werden können. Kommunale Familienberatungsstellen sollen Alleinerziehende schnell und effizient aus einer Hand unterstützen.
  • Sommer Camps für inklusive Ferienbetreuung: Nach dem Vorbild erfolgreicher Modelle werden wir ein Landesprogramm für Ferienbetreuungsangebote auflegen, das Kommunen bei der Organisation von Sommer Camps unterstützt. Der Fokus liegt dabei auf Inklusion: Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam eine attraktive Ferienzeit verbringen können.
  • Kinderbetreuung in Randzeiten ausbauen: Wir fördern flexible Betreuungsangebote im häuslichen Umfeld nach dem bewährten VAMV-Modell aus Essen, um Eltern mit Schichtdienst, Wochenend- oder Nachtarbeit zu unterstützen. Qualifizierte Betreuungspersonen kommen dabei direkt zu den Familien nach Hause und ermöglichen so echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch außerhalb der klassischen Kita-Zeiten.

Kinder und Jugendliche als aktiver Teil der Gesellschaft

Junge Menschen sind keine Bürger von morgen – sie sind Bürger von heute. Sie haben Meinungen, Ideen und das Recht, ihre Zukunft mitzugestalten. Doch unsere demokratischen Strukturen behandeln sie allzu oft als unmündige Objekte politischer Fürsorge statt als handlungsfähige Subjekte mit eigenen Rechten. Während über Schulreformen, Klimaschutz und Digitalisierung entschieden wird, bleiben die Stimmen derer, die mit den Konsequenzen am längsten leben müssen, weitgehend ungehört. Das ist nicht nur ungerecht – es ist auch unklug, denn wir verschenken wertvolle Perspektiven und demokratisches Engagement.

Echte Beteiligung bedeutet mehr als gelegentliche Jugendforen oder symbolische Anhörungen. Sie bedeutet verbindliche Strukturen, in denen junge Menschen Gehör finden und echte Entscheidungsmacht haben. Sie bedeutet, dass Kinderrechte nicht nur in internationalen Konventionen stehen, sondern im Grundgesetz verankert sind. Sie bedeutet, dass Jugendliche nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden können. Und sie bedeutet, dass bei jedem neuen Gesetz systematisch geprüft wird, wie es sich auf junge Menschen auswirkt.

Unsere Pläne:

  • Kinderrechte ins Grundgesetz – Bundesratsinitiative: Wir werden uns über den Bundesrat dafür einsetzen, dass Kinderrechte explizit im Grundgesetz verankert werden. Kinder sind eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Rechten – dies muss in unserer Verfassung sichtbar werden und darf nicht länger nur in UN-Konventionen stehen.
  • Landesjugendparlament einrichten: Wir schaffen ein Landesjugendparlament als institutionalisiertes Beteiligungsgremium, in dem junge Menschen direkt in politische Prozesse eingebunden werden. Ihre Beschlüsse und Empfehlungen erhalten verbindliche Beratungsrechte im Landtag.
  • Passives Wahlrecht auf 16 Jahre absenken: Wir setzen uns dafür ein, dass Jugendliche ab 16 Jahren auch bei Kommunalwahlen kandidieren können. Wer wählen darf, soll auch gewählt werden können – echte politische Teilhabe bedeutet auch Verantwortung übernehmen zu können.
  • Kinder- und Jugendcheck verbindlich einführen: Alle neuen Gesetze und Verordnungen des Landes durchlaufen künftig eine systematische Prüfung auf ihre Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. So stellen wir sicher, dass die Interessen junger Menschen in allen politischen Entscheidungen Berücksichtigung finden.
  • Kinder- und Jugendräte verpflichtend verankern: In der Gemeindeordnung werden wir verankern, dass jede Kommune Strukturen der dauerhaften Kinder- und Jugendbeteiligung etablieren muss – sei es durch Jugendräte, Jugendparlamente oder andere verbindliche Formate. Diese Gremien sollen echte Mitwirkungsrechte bei Planungen erhalten, die junge Menschen betreffen.
  • Landesjugendparlament afubauen: Wir möchten ein Landesjugendparlament mit einem dauerhaften, direkt gewählten Gremium etablieren, das ein echtes Anhörungsrecht bei Gesetzen mit Jugendrelevanz erhält. So schaffen wir krisenfeste Strukturen für Jugendbeteiligung auf Landesebene.
  • Landesjugendring stärken: Wir erhöhen die institutionelle Förderung des Landesjugendrings als Interessenvertretung junger Menschen und unterstützen damit die demokratische Jugendverbandsarbeit in ihrer ganzen Vielfalt.
  • Verbindliche Beteiligung junger Menschen mit Behinderungen: Jugendbeteiligungsgremien auf Landes- und kommunaler Ebene müssen barrierefrei organisiert sein und die Perspektiven junger Menschen mit Behinderungen aktiv einbeziehen. Beteiligung darf kein Privileg sein, sondern muss allen jungen Menschen offenstehen.

Weitere Themenprogramme:

  • Klima, Umwelt und Tiere

    Niedersachsen hat sich das Ziel gesetzt, vor der bundesweit vorgeschriebenen Klimaneutralität im Jahr 2045 bereits im Jahr 2040 dieses Ziel zu erreichen. Hier stellen wir unsere Ideen für das Erreichen der Klimaneutralität vor, mit denen wir Niedersachsen als auch Deutschland auch in Zukunft als lebenswerte Heimat erhalten möchten. Niedersachsen spielt bei dieser großen Aufgabe eine…

  • Kommunen

    Kommunen sind das Fundament unserer Demokratie. Dort entscheidet sich, wie die Bürger_innen täglich erleben, ob unser Staat funktioniert und seine wichtigsten Aufgaben angemessen erfüllen kann. Doch viele Kommunen in Niedersachsen kämpfen mit überkomplexen Verwaltungsstrukturen, unklaren Zuständigkeiten und chronischer Unterfinanzierung. Gleichzeitig erwarten Menschen zu Recht effiziente, digitale Services und echte Beteiligung an lokalen Entscheidungen. Deshalb stehen…

  • Demokratie und Rechtsstaat

    Ein starker, freiheitlicher Rechtsstaat ist die Lebensversicherung unserer offenen Gesellschaft. Er schützt, ohne zu bevormunden; er handelt schnell, ohne vorschnell zu sein; er ist digital, ohne Menschen zurückzulassen. In einer Zeit, in der das Vertrauen in demokratische Institutionen bröckelt und populistische Kräfte die Fundamente unserer Ordnung angreifen, müssen wir die Demokratie aktiv verteidigen und zeitgemäß…