Während andere Regionen die Energiewende als Chance für Wohlstand und Unabhängigkeit begreifen, bremsen wir uns selbst aus – mit zu langsamen Genehmigungen, zu wenig Personal und zu viel Zögern. Dabei haben wir alles, was es braucht: Flächen für Wind und Sonne, innovative Unternehmen und eine Industrielandschaft, die bereit ist für den Wandel. Die Frage ist nicht, ob Niedersachsen die Energiewende schaffen kann. Die Frage ist, wann wir endlich anfangen, unser Tempo radikal zu erhöhen.
Die Energiewende entscheidet über unsere Zukunft. Sie sichert uns bezahlbare Energie, macht uns unabhängig von unzuverlässigen Lieferanten und schafft neue Arbeitsplätze in zukunftsfähigen Branchen. Wer jetzt investiert, gewinnt morgen. Wer jetzt zögert, verliert. Wir wollen ein Niedersachsen, das nicht hinterherhechelt, sondern vorangeht. Ein Land, das zeigt, wie Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen. Ein Land, das seinen Bürgerinnen und Bürgern zutraut, Teil der Lösung zu sein – und ihnen die Möglichkeit gibt, direkt zu profitieren.
Sauberer Strom für das ganze Land
Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Wir müssen die Produktion von sauberem Strom massiv ausbauen. Das bedeutet mehr Flächen für Wind und Sonne, bessere Netze für den Transport und intelligente Speicher für die Versorgungssicherheit. Es bedeutet auch, dass wir endlich die Behörden so ausstatten, dass sie Genehmigungen zügig bearbeiten können. Die Technik ist da, das Know-how ist da, das Kapital ist da. Was fehlt, ist der politische Wille, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Unsere Pläne:
- Klimaneutraler Strom bis 2032: Wir bekennen uns zu den globalen Klimazielen und streben bis 2032 eine Vollversorgung mit klimaneutralem Strom durch einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien an. Dafür wollen wir verlässliche Rahmenbedingungen für Investierende und Bürgerenergiegenossenschaften schaffen und bürokratische Hürden systematisch abbauen.
- Mehr Personal für schnellere Genehmigungen: Wir fordern, die Genehmigungsbehörden für energiewenderelevante Bereiche personell deutlich aufzustocken und wollen neue Stellen für Fachkräfte finanzieren. Durch gezielte Fortbildungsprogramme und attraktive Arbeitsbedingungen machen wir den öffentlichen Dienst im Energiesektor zur ersten Wahl für hochqualifizierte Fachkräfte.
- Einfachere Genehmigungsverfahren: Durch standardisierte, digitale Genehmigungsverfahren und modernisierte Abläufe wollen wir Genehmigungsverfahren für den Ausbau klimaneutraler Energieerzeugung beschleunigen. Auch die Förderung muss so neugeregelt werden, dass sie sich auf nachhaltig wirtschaftliche Anlagen konzentriert.
- Windpotenzialflächen voll ausschöpfen: Nur wenn wir die Potenziale für Erneuerbare voll ausschöpfen, können wir unser Land mit sauberem Strom aus der Heimat versorgen. Dafür setzen wir uns ein.
- Landwirtschaft und Solarenergie vereinen: Die Genehmigung von Agri-Photovoltaik muss durch klare Leitlinien und einen Mustererlass für die Kommunen vereinfacht werden. So lassen sich Energieproduktion und Ackerbau kombinieren, zusätzliche Einnahmen erzielen und ein Beitrag zur Energiewende leisten. Gleichzeitig bleiben die Flächen landwirtschaftlich nutzbar – eine Win-Win-Situation für Klima und Landwirtschaft.
- Stromspeicher rechtlich absichern: Wir wollen Stromspeicher explizit in der Landesbauordnung verankern und damit Rechtssicherheit für Investoren und Genehmigungsbehörden schaffen. Klare bauordnungsrechtliche Standards für Brandschutz, Abstandsflächen und Umweltauflagen können die Genehmigungsverfahren beschleunigen. Stromspeicher sind unverzichtbar für die Integration erneuerbarer Energien – sie brauchen einen festen Platz in unserem Baurecht.
- Speicher in der Raumplanung mitdenken: Die Regionalpläne sollten um Vorranggebiete für Großbatteriespeicher und andere Speichertechnologien ergänzt werden. In Absprache mit den Netzbetreibern soll sichergestellt werden, dass diese wichtigen Infrastrukturen dort entstehen, wo sie netzdienlich sind und Akzeptanz finden. Die Raumordnung muss die gesamte Energieinfrastruktur im Blick haben – nicht nur die Erzeugung, sondern auch die Speicherung. Wir setzen uns auf Bundesebene dafür ein, dass eine Definition für Netzdienlichkeit verabschiedet wird, um die Ansiedlung von Großbatteriespeichern an den Orten zu bevorzugen, die die Energiewende voranbringen.
- Netze fit für die Energiewende: Wir wollen die Verteilnetzbetreibenden beim zügigen Ausbau ihrer Netze für dezentrale Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen unterstützen. Durch vereinfachte Genehmigungsverfahren, Zuschüsse an die zuständigen Kommunen und Pilotprojekte für intelligente Netztechnologien beschleunigt sich der dringend benötigten Netzausbau.
- Land als Vorreiter bei Solarstrom: Das Land sollte bei der dezentralen Energiewende mit gutem Beispiel vorangehen und auf allen geeigneten Gebäuden in seinem Besitz Photovoltaikanlagen installieren.
- Regionale Strompreiszonen einführen: Wir setzen uns auf Bundesebene für die Einführung mehrerer Strompreiszonen in Deutschland ein und unterstützen die EU-Empfehlung zur Marktreform. Ehrliche Preissignale sind das Herzstück einer funktionierenden Marktwirtschaft – wer im windreichen Norden günstig Strom produziert, soll davon profitieren. Anreize für Investitionen in erneuerbare Energien sollen geschaffen werden.
Warme Wohnungen und klimaneutrale Energieträger für die Industrie
Die Wärmewende ist die oft vergessene Hälfte der Energiewende – und dabei für die meisten Menschen viel spürbarer als die Stromversorgung. Millionen Wohnungen in Niedersachsen werden noch immer mit Gas oder Öl geheizt, während die Infrastruktur für Alternativen fehlt. Kommunen sind mit der Wärmeplanung überfordert, Mietende fürchten explodierende Kosten und die Industrie wartet auf Wasserstoff, der noch nicht fließt.
Wir setzen auf pragmatische Lösungen statt ideologischer Grabenkämpfe. Wärmepumpen dort, wo sie sinnvoll sind. Fernwärme, wo sie sich rechnet. Wasserstoff für industrielle Prozesse, die keine Alternative haben. Und überall dort, wo CO2-Emissionen technisch unvermeidbar sind, schaffen wir die Infrastruktur für Carbon Capture and Storage. Wir wollen eine Wärmewende, die funktioniert – für Mietende, für Eigentümer_innen, für Kommunen und für die Industrie. Ohne Überforderung, aber mit klarem Kurs.
Unsere Pläne:
- Förderung für energetische Sanierung: Die günstigste Heizung ist die, die aus bleibt. Deshalb fordern wir ein Landesprogramm für energetische Gebäudesanierung. Unser Fokus liegt dabei auf der „warmmietenneutralen Sanierung“: Durch gezielt gestaltete Zuschüsse und Zinsverbilligungen sorgen wir dafür, dass Investitionen in Dämmung und moderne Heizungen nicht zu höheren Wohnkosten für Mietende führen.
- Kommunen bei Wärmeplanung unterstützen: Wir wollen den Kommunen Musterpläne, technische Beratung und finanzielle Unterstützung für Machbarkeitsstudien zur Verfügung stellen und neue Personalstellen in den Verwaltungen für die kommunale Wärmeplanung fördern.
- Sektorkopplung von Strom und Wärme: Wir wollen die Integration der Energiesektoren Strom, Wärme und Mobilität konsequent durch koordinierte Planung, einheitliche Datenstandards und Abbau regulatorischer Hürden vorantreiben. Wärmepumpen, Elektromobilität und Power-to-Heat-Anlagen müssen intelligent mit dem Stromnetz gekoppelt werden. So nutzen wir Überschüsse aus erneuerbaren Energien optimal und reduzieren die Notwendigkeit für Abregelungen.
- Wasserstoffnetz strategisch aufbauen: Der Aufbau eines landesweiten Wasserstoff-Transportnetzes muss vorangetrieben und eng mit dem Bund und den Nachbarländern koordiniert werden. Wasserstoffbereite Gaskraftwerke, Industriestandorte und zukünftige Elektrolyseure gehören prioritär angeschlossen. Niedersachsen braucht Wasserstoff für die Dekarbonisierung und Wasserstoff braucht Infrastruktur.
- Innovatives CO2-Management: Für unsere heimische Zement-, Kalk- und Chemieindustrie ist der Einsatz von Wasserstoff allein oft keine Lösung. Wir wollen deshalb den Aufbau einer CO2-Infrastruktur (Carbon Capture and Storage, CCS) für technisch unvermeidbare Prozess-Emissionen ermöglichen. Wir brauchen die rechtlichen Voraussetzungen für CO2-Pipelines und Transportwege.
Eine Energiewende, die allen gehört
Die Energiewende wird nur gelingen, wenn sie eine Energiewende der Bürger_innen ist. Zu lange wurden Menschen mit Projekten konfrontiert, statt sie von Anfang an einzubeziehen. Zu oft wurden Kosten einseitig verteilt, während Gewinne woanders abflossen. Das Ergebnis: Widerstand, Misstrauen und blockierte Projekte. Dabei zeigen erfolgreiche Beispiele aus ganz Deutschland, dass es auch anders geht – mit Beteiligung, Transparenz und fairen Rahmenbedingungen.
Wir wollen, dass Menschen selbst Teil der Energiewende werden können. Ob mit einem Balkonkraftwerk, einer Beteiligung an einem Windpark in der Nachbarschaft oder einer energetisch sanierten Wohnung, die nicht teurer wird – jede und jeder soll die Möglichkeit haben, beizutragen und zu profitieren. Das schafft Akzeptanz, stärkt die lokale Wertschöpfung und macht die Energiewende zu einem gemeinsamen Projekt statt zu einem von oben verordnetem Programm.
Unsere Pläne:
- Energetische Sanierung ins gemeinsame Interesse bringen: Mietende können an der Höhe ihrer Heizkosten wenig ändern; Vermietende haben bei einem knappen Wohnungsangebot finanziell kaum einen Anreiz, sie zu senken. Deshalb setzen wir uns auf Bundesebene dafür ein, das Mietrecht so umzugestalten, dass Energieeffizienz im gemeinsamen Interesse beider Parteien liegt.
- Rückendeckung für Balkonkraftwerke und Heimspeicher: Balkonkraftwerke und Heimspeicher sind niedrigschwellige Möglichkeiten, damit mehr Menschen sich direkt an der Energiewende beteiligen können. Deshalb wollen wir sie politisch durch günstige rechtliche Rahmenbedingungen fördern.
- Bürgerbeteiligung an Energieprojekten: Wir schaffen attraktive Möglichkeiten zur direkten finanziellen Beteiligung von Anwohnenden an Wind- und Solarparks durch Bürgerenergiegenossenschaften, vergünstigte Stromtarife oder Direktbeteiligungen. Die Energiewende gelingt nur mit den Menschen vor Ort – wenn sie wirtschaftlich profitieren, steigt die Akzeptanz deutlich. Zusätzlich stärken lokale Wertschöpfung und Kommunalsteuern die regionale Wirtschaft.
- Bürgerdialog bei der Energiewende: Bei Energiewendeprojekten ist transparenter Bürgerdialog wichtig, um die Bürger_innen in Entscheidungen einzubeziehen und Vor- und Nachteile einer solchen Entscheidung im Vorhinein abzuwägen und bekanntzumachen. Insbesondere müssen Gewinnbeteiligungsmöglichkeiten für Bürger_innen und Kommunen über das Beteiligungsgesetz (NWindPVBetG) bestehen bleiben, um die Akzeptanz und Wertschöpfung vor Ort zu stärken.
Weitere Themenprogramme:
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Sport- und Kulturland Niedersachsen
Das Vereinsleben ist ein wichtiger Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenlebens in Niedersachsen. Auch wir Liberalen Demokraten möchten dieses Engagement der Bürger_innen fördern und die Vielfalt der Angebote aufrechterhalten. Unsere Pläne:
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Verkehr und Mobilität
Niedersachsen ist ein verkehrspolitisches Entwicklungsland. Wichtige Bahnstrecken, die eine zentrale Rolle in der Nord-Süd-Achse und der Ost-West-Achse einnehmen, sind massiv überlastet oder veraltet. Kein Bundesland investiert so wenig Geld pro Kopf in den ÖPNV, obwohl viele Regionen nur schlecht angebunden sind und großer Investitionsbedarf besteht. 32,3 % der deutschen Treibhausgasemissionen wurden 2020 im Verkehrssektor verursacht.…
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Wirtschaft und Arbeit
Die Wirtschaft in Niedersachsen steht vor einem großen Wandel. Als Flächenland und Küstengebiet, das stark von der Landwirtschaft geprägt wird und als Heimat eines der größten Autohersteller der Welt, drängen globale Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung und demografischer Wandel zu schnellem Handeln. Unser Leitbild dabei ist die Faire Marktwirtschaft. In ihr erweitern wir die soziale Marktwirtschaft…